Zweites Weibchen Wellensittich eingewöhnen ohne Revierkämpfe
Zwei Wellensittich-Weibchen zusammenführen: So vermeidest du Revierkämpfe
Ein zweites weibliches Wellensittich-Weibchen in einen bestehenden Haushalt zu holen, klingt erstmal nach einer netten Geste für den gefiederten Mitbewohner. In der Praxis kann es aber ordentlich schiefgehen, wenn man die Eingewöhnung überstürzt. Rupfereien, Gezeter, blutige Füße: Das will niemand. Mit der richtigen Vorbereitung, getrennter Eingewöhnung und einem neutralen Erstkontakt lässt sich das Risiko aber deutlich senken. Hier zeige ich dir Schritt für Schritt, wie zwei Wellensittich-Weibchen friedlich zusammenfinden.
Warum Weibchen oft aggressiver reagieren als Männchen
Weibliche Wellensittiche gelten als territorialer als ihre männlichen Artgenossen. Das hat einen biologischen Grund: In freier Wildbahn verteidigen Weibchen potenzielle Bruthöhlen vehement gegen Rivalinnen, notfalls mit dem Schnabel voraus. Auch ohne Nistkasten in der Wohnung kann dieser Instinkt aufflammen, sobald ein fremdes Weibchen auftaucht, besonders wenn das etablierte Tier den Käfig längst als sein Revier betrachtet.
Typische Warnsignale sind:
- Aufgeplusterte Federn und erhobener Schnabel
- Lautes Fauchen oder Knirschen mit dem Schnabel
- Blockieren von Futter- oder Wassernäpfen
- Verfolgen und Hacken nach Füßen oder Flügeln
Schritt 1: Quarantäne vor dem ersten Kontakt
Bevor überhaupt an eine Zusammenführung zu denken ist, braucht der neue Vogel eine Quarantänezeit von mindestens 30 Tagen in einem separaten Raum. Das ist kein übertriebener Vorsichtsmodus, sondern schützt beide Tiere vor Krankheitsübertragung. Und es gibt dem Neuankömmling Zeit, sich an Geräusche, Gerüche und die ungewohnte Umgebung zu gewöhnen, ohne gleichzeitig noch sozialen Stress verkraften zu müssen.
Schritt 2: Sichtkontakt ohne Körperkontakt
Nach der Quarantäne beginnt die eigentliche Eingewöhnung, und zwar mit getrennten Käfigen im selben Raum:
- Stelle beide Käfige in etwa 1-2 Metern Abstand auf.
- Lass die Vögel sich mehrere Tage bis Wochen lang sehen und hören, ohne direkten Kontakt.
- Beobachte die Reaktionen genau: Neugieriges Herüberschauen ist gut, dauerhaftes aggressives Fauchen durch das Gitter dagegen ein klares Warnsignal.
- Verringere den Abstand schrittweise, sobald beide Tiere entspannt bleiben.
Dieser Schritt wird gerne übersprungen, weil er lästig erscheint und Zeit kostet. Genau er ist aber entscheidend, um Panik und Überraschungsreaktionen beim echten Erstkontakt zu vermeiden.
Schritt 3: Neutraler Boden statt bestehendes Revier
Ein klassischer Anfängerfehler: den neuen Vogel einfach in den Käfig des etablierten Weibchens setzen. Das wird so gut wie immer als Eindringen gewertet, und die Stimmung kippt sofort. Besser:
- Richte einen komplett neuen, neutralen Käfig ein, den noch keiner der beiden Vögel kennt.
- Alternativ: Lass beide Vögel in einem neutralen, vogelsicheren Zimmer gemeinsam freifliegen, bevor sie überhaupt in einen gemeinsamen Käfig ziehen.
- Entferne vorerst Nistmöglichkeiten, Spiegel und enge Verstecke. Sie verstärken das Revierverhalten zusätzlich, auch wenn sie gut gemeint sind.
Schritt 4: Erste gemeinsame Zeit beaufsichtigt gestalten
Wenn der erste direkte Kontakt ansteht:
- Plane kurze Sitzungen von 10-15 Minuten ein, mehrmals täglich statt einmal lang.
- Biete an zwei getrennten Stellen Futter und Wasser an, damit erst gar keine Konkurrenz um Ressourcen entsteht.
- Halte ein Handtuch griffbereit, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können, ohne selbst gebissen zu werden.
- Beende die Sitzung sofort bei anhaltendem Hacken oder Verfolgen und versuche es am nächsten Tag erneut, lieber kürzer als zu ambitioniert.
Schritt 5: Dauerhaftes Zusammenleben einrichten
Erst wenn sich beide Weibchen über mehrere Tage hinweg entspannt im selben Raum bewegen, nebeneinander fressen und sich gegenseitig ignorieren oder sogar putzen, macht ein gemeinsamer Käfig Sinn. Wichtig dabei:
- Der gemeinsame Käfig sollte größer sein als für einen einzelnen Vogel empfohlen, mindestens 80 cm Breite für zwei Wellensittiche.
- Zwei Fressnäpfe, zwei Trinkstellen und mehrere Sitzstangen verhindern unnötige Konkurrenzsituationen.
- Spielzeug sollte doppelt vorhanden sein, vor allem beliebte Stücke wie Schaukeln oder Glöckchen. Um ein einziges Lieblingsspielzeug wird sonst garantiert gestritten.
Was tun, wenn es trotzdem zu Streit kommt?
Ein gelegentliches Zanken um die Rangordnung ist normal und meist harmlos, fast schon Teil des Prozesses. Problematisch wird es erst bei:
- Blutungen oder Verletzungen an Füßen, Schnabel oder Gefieder
- Dauerhafter Vermeidung von Futter durch ein Tier
- Anhaltendem Stressverhalten wie Federrupfen
In solchen Fällen hilft nur eines: zurück zu getrennten Käfigen und der Eingewöhnungsprozess beginnt erneut, diesmal langsamer. Bei starken Verletzungen oder wiederkehrenden Problemen lohnt sich außerdem der Gang zu einem auf Vögel spezialisierten Tierarzt oder Verhaltensberater.
Fazit
Die Vergesellschaftung von zwei weiblichen Wellensittichen gelingt am besten mit Geduld statt Eile. Quarantäne, langsamer Sichtkontakt, neutraler Boden und beaufsichtigte Treffen sind dabei die zentralen Bausteine, keiner davon ist verzichtbar. Wer diese Schritte konsequent durchzieht, reduziert Revierkämpfe spürbar und legt den Grundstein für eine wirklich harmonische Wellensittich-WG.